Knapp 600 gegen “Dessauer Verhältnisse”

via dessauerverhaeltnisse.blogsport.de

An unserer recht kurzfristig geplanten Demonstration am 25. Februar 2012 beteiligten sich gezählte 570 Antifaschist_innen und Antirassist_innen. Motto der Veranstaltung war: „Den rassistischen Konsens brechen – Dessauer Verhältnisse angreifen! Oury Jalloh – das war Mord!“. Anlass waren u.a. jüngste Entwicklungen in der Muldestadt, nach denen mensch aus unserer Sicht nicht umhinkommt, eine breite gesellschaftliche Zustimmung gegenüber rassistischen Tendenzen und Einstellungen zu konstatieren.

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Filmvorführung am 4. April: “Noise & Resistance- Voices from the DIY underground” (2011)

Es geht auch anders. Kommerz, Kapital und Konsum sind keine unumstößliche Notwendigkeit unserer Gegenwart. Dass man mit dieser Meinung nicht allein sein muss, zeigen Francesca Araiza Andrade und Julia Ostertag in ihrem wütenden und mitreißenden Dokumentarfilm “Noise and Resistance”. Was manchen nur als Lärm und Störung gilt, machen sie als vitale Artikulation des Widerstands deutlich : Punk ist hier weder Modeerscheinung noch verstaubtes Relikt der Vergangenheit, sondern der lebendige Ausdruck eines Lebensgefühls.

Die beiden Regisseurinnen begeben sich mitten hinein in eine höchstlebendige und pulsierende, eine aufbegehrende und selbstbewusste Szene. Ob Hausbesetzer aus Barcelona, Antifaschisten in Moskau, niederländische Gewerkschaftskämpfer, die Aktivisten des englischen CRASS – Kollektivs, queere Wagenplatzbewohner aus Berlin oder Punkgirl-Bands in Schweden – immer ist die Musik eine kollektive Selbstbehauptung, ein vertontes Nein, dessen Losung “Do it yourself!” zur lautstarken Internationale des 21. Jahrhundert geworden ist.

“Noise and Resistance” ist eine inspirierende Reise durch Europas Utopia der Gegenwart, an subkulturelle Sehnsuchtsorte, wo aus Unabhängigkeit Gemeinschaft entsteht – und der beste Punk-Sound, den man seit Jahren gehört hat.

Das facebook-event zur Veranstaltung: >klick<

Wann? 4. April 2012, 19 Uhr

Wo? Infoladen Jena, Schillergäßchen 5

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Den rassistischen Konsens brechen! Dessauer Verhältnisse angreifen!

Aufruf zur überregionalen Antira-Demo am 25.02. in Dessau

Eigentlich stellt sich die Situation in Dessau dar, wie sie in einer mittelgroßen, ostdeutschen Stadt zu erwarten ist:
Tief in der Bevölkerung verankerter Rassismus und Nationalismus, eine zwar kleine und intellektuell bemitleidenswerte, aber organisierte Neonaziszene mit fließendem Übergang zu rechtslastiger Jugendkultur, homophobem Mackergehabe, Stammtischnazis und einem rechtsdominierten Fußballverein, ein NPD-Stadtrat, überforderte Behörden, rassistische Polizeibeamte, einige gutwillige „Zivilgesellschafter“, viele „Extremismus“-Bekämpfer, ein paar Student_innen, ein „Ausländer“-Anteil von knapp 2 %, eine kommerzialisierte, „alternative“ Kulturszene und eine marginalisierte, radikale Linke.
So weit, so schlecht. Und zweifelsfrei genug Grund für eine Demo.

Einige Ereignisse der letzten 12 Jahre allerdings sorgten auch bundesweit dafür, dass sich die Stadt an Mulde und Elbe ihr bejammertes Image redlich verdient hat.
Neonazigewalt bis hin zum Mord an Alberto Adriano im Juni 2000, seither fast jährlich Aufmärsche, Polizeiskandale (Stichwort Staatsschutz-Skandal), rassistische Polizeikontrollen und natürlich der immer noch ungeklärte Tod von Oury Jalloh in Zelle 5 des Polizeireviers am 7. Januar 2005.

In den letzten Wochen nun hat sich die Lage für all jene noch einmal verschärft, die sich den Dessauer Zuständen nicht völlig ergeben oder wegen ihrer Hautfarbe gar keine Chance zur Konversion haben.
Die Demonstration zum siebenten Todestag von Oury Jalloh am 7. Januar wurde von der Polizei durch einen Strategiewechsel für eine skandalöse Gewalteskalation genutzt. Angeblich sei die Parole „Oury Jalloh – das war Mord!“ strafbar, weshalb das Zeigen entsprechender Transparente unterbunden werden müsse, so die durchsichtige Begründung.
Zehn Tage später dann soll ein Nichtweißer einen Weißen – ausgerechnet Spieler des rechtslastigen Fußballvereins ASG Vorwärts Dessau – niedergestochen haben, weil dieser sich in einen vermeintlichen Raub eingemischt hätte.
Was folgte waren zwei Demonstrationen mit bis zu 400 Teilnehmer_innen, bei denen sich unter Sprechchören wie „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!“ und „Hier marschiert der nationale Widerstand“ klare Neonazis mit rechten Hools, Stammtischrassist_innen und sich ihres Rassismus` nicht einmal bewussten Wutbürgern mischten. Auch das Ordnungsamt der Stadt als Versammlungsbehörde hatte kein Problem mit den Anmeldern, die beide als rechts bekannt sind, und machte sich auf diese Weise zum Erfüllungsgehilfen des rassistischen Mobs.

Die in Dessau ohnehin schon gefährliche Situation für Menschen mit „Migrationshintergrund“, soziale Randgruppen, alternative Jugendliche oder politisch aktive Antirassist_Innen und Antifaschist_Innen hat sich durch die rassistische Eintracht aus Bürger_Innen, Nazis, der Stadt und der Polizei noch einmal deutlich verschärft.

Angesichts dieser neuen Dimension des rassistischen Normalzustandes ist eine klare, antifaschistische und antirassistische Intervention in der Stadt von Bauhaus und Zyklon B bitter nötig.
Zeigen wir, dass wir solche Verhältnisse nicht widerspruchslos hinnehmen! Ob in Dessau, Plauen, Velbert oder sonstwo!

Auch wenn dies nur ein Anfang sein kann: kommt am 25. Februar zur überregionalen, antirassistischen Demonstration nach Dessau!

Den rassistischen Konsens brechen – Dessauer Verhältnisse angreifen!
Oury Jalloh – das war Mord!

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Vortrag am 07. März in Erfurt: Was tun, wenns brenn(er)t? Verdeckte Ermittler & staatliche Repression

via Rote Hilfe – Ortsgruppe Jena

Vor­trag zum Hei­del­ber­ger Spit­zelskan­dal // 07. März // 19.​00Uhr // Re­dRo­XX Er­furt

Fast ein Jahr lang ge­wann der Ver­deck­te Er­mitt­ler Simon Brom­ma Ein­sicht in po­li­ti­sche Ak­ti­vi­tä­ten und pri­va­te Be­rei­che links ori­en­tier­ter Per­so­nen­krei­se in Hei­del­berg und Um­ge­bung. Ge­tarnt als or­dent­lich im­ma­tri­ku­lier­ter Stu­dent „Simon Bren­ner“ sam­mel­te er ab Win­ter 2009 um­fang­rei­che In­for­ma­tio­nen über Struk­tur-​en und Ein­zel­per­so­nen, bis er am 12.​12.​2010 zu­fäl­lig ent­tarnt wer­den konn­te. Das Vor­ge­hen von Staat und Hei­del­ber­ger Po­li­zei­di­rek­ti­on, die noch wei­te­re, bis­her un­be­kann­te Ver­deck­te Er­mitt­le­rIn­nen Hei­del­berg ein­ge­setzt hat­ten, ist scho­ckie­rend, aber Teil zu­neh­men­der Re­pres­si­on – vor allem gegen die au­ßer­par­la­men­ta­ri­sche An­ti­fa-​Sze­ne, das ei­gent­li­che Ein­satz­ziel der Spit­zel. Ein Be­richt der ins po­li­zei­rechts­staat­li­che Vi­sier ge­ra­te­nen „Ziel­per­son“ und über die von sie­ben Men­schen an­ge­streng­te Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge gegen den mit ge­heim­dienst­li­chen Me­tho­den wi­der­recht­lich durch­ge­führ­ten Ein­satz. Mehr Infos auf spitzelklage.​blogsport.​de

Eine Ver­an­stal­tung der Links­ju­gend [’solid] Thü­rin­gen in Zu­sam­men­ar­beit mit der roten Hilfe Er­furt und dem of­fe­nen Ju­gend­bü­ro Re­dRo­XX. Ge­för­dert durch den Frei­staat Thü­rin­gen.

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Heute im Inforadio Jena: Sendung über die aktuellen Geschehnisse um Israel und Iran

via Inforadio Jena

Darin unter anderem: Interviews mit Tal Gat (Leiter der Öffentlichkeitsabteilung der israelischen Botschaft in Berlin) und Oliver M. Piecha (promovierter Historiker, Mitherausgeber des Buchs “Verratene Freiheit – Der Aufstand im Iran und die Antwort des Westens”).

Los gehts um 17 Uhr im Offenen Hörfunkkanal Jena. Zu hören auf UKW 103,4 MHz und im Kabel auf 107,90 MHz sowie im Livestream.

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Vortrag: Rassenhygiene – Geschichte und Aktualität einer mörderischen Ideologie

2. Vortrag der Reihe “Tierrechte & Rassenhygiene”

Dienstag, 21.02.2012, 19.00 Uhr

FSU Jena, Carl-Zeiss-Str. 3, Raum 206

Im Sommer 2011, fast sieben Jahrzehnte nachdem die Nationalsozialisten den Mord an von ihnen als minderwertig diffamierten Menschen offiziell stoppten, wurde Peter Singer in Frankfurt mit dem “Ethik Preis” der Giordano-Bruno-Stiftung ausgezeichnet. Singer, hierzulande vor allem für seinen Einsatz für “Tierrechte” bekannt, unterscheidet zwischen lebenswerten und lebensunwertem Leben und plädiert dafür, behinderte Kinder nach der Geburt unter Umständen zu töten. Mit der Ehrung Singers werden in Zeiten eines dramatischen Sozialabbaus Elemente einer Rassenhygiene salonfähig gemacht, die eine Eugenetik ideologisch vorbereiten und legitimieren. Wie weit dieser Prozess hierzulande gediehen ist, zeigt der Erfolg Thilo Sarrazins als Bestseller-Autor.
Nachdem Peter Bierl beim ersten Vortrag im Januar die Ideologie der Tierrechte kritisch analysiert hat, geht es im zweiten Vortrag in Jena um die Tradition der Rassenhygiene, den Beitrag den Wissenschaftler der Universität Jena, angefangen mit Ernst Haeckel, dazu geleistet haben, bis hin zur Soziobiologie als Ideologien der so genannte Neuen Rechten und Sarrazins Thesen, wobei Sozialdemokraten, Linke und Pseudolinke zu den Protagonisten zählen. Zu den Verfechtern dieser Soziobiologie gehört die Giordano-Bruno-Stiftung, in der Öffentlichkeit vor allem für Religions- und Papstkritik bekannt, mit ihrem Konzept des >evolutionären Humanismus<.

Eine Veranstaltung der Jugend-, Aktions- und Projektwerkstatt, gefördert
von KoKont Jena – Koordinierungsstelle des Jenaer Stadtprogramms und
Kontaktbüro des Runden Tisches für Demokratie.

Die Veranstaltung auf facebook: >klick<

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Heute: Naziaufmarsch in Weimar [2.Update]

via Infoladen Sabotnik

Zwei Ver­an­stal­ter, dar­un­ter der Neo­na­zi Michael Fi­scher, haben für heute, Frei­tag, den 10. Fe­bru­ar 2012, in der Zeit zwi­schen 16.​00 und 20.​00 Uhr unter dem Thema „Eh­ren­haf­tes Ge­den­ken!“ einen Auf­zug in Wei­mar an­ge­mel­det. Der „Trau­er­marsch“ soll sich zwi­schen dem Haupt­bahn­hof und dem Goe­the­platz be­we­gen, wo eine Zwi­schen­kund­ge­bung statt­fin­den soll.

An­ti­fa­schis­tIn­nen rufen dazu auf sich den Nazis in den Weg zu stel­len. Treff­punkt ist um 15.​45 Uhr vor dem Haup­bahn­hof in Wei­mar.

Wei­te­re Infos bei In­dy­me­dia und dem Bür­ger­bünd­nis Wei­mar.

[Update]

Wie Jenapolis berichtet, hat die Stadt Weimar den Aufmarsch verboten. Zur Zeit (12 Uhr) liegt nach unseren Informationen auch noch kein Widerspruch seitens der Nazis gegen die Verbotsverfügung beim Verwaltungsgericht Weimar vor. Es ist dennoch davon auszugehen, dass Nazis in Weimar unterwegs sein werden. Also: Auf nach Weimar!

[2.Update]

Beim Verwaltungsgericht Weimar liegt aktuellen Inforamtionen zufolge ein Antrag des Anmelders vor, damit die Demonstration doch noch genehmigt wird. Der Antrag wird zur Zeit noch geprüft.

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Aufruf: Prozessbeobachtung und Kundgebung im Fall Oury Jalloh am 16. Februar 2012 – Mit vollem Bus von Jena nach Magdeburg!

via Indymedia linksunten / Thueringen Refugee Community

The VOICE Refugee Forum Jena ruft auf zur Prozessbeobachtung und Kundgebung im Fall Oury Jalloh am 16. Februar 2012 am Magdeburger Landgericht (Halberstädter Str. 8, 39112 Magdeburg).

In der Nacht vom 6. auf den 7. Januar 2005, gegen 8 Uhr morgens, wurde Oury Jalloh aus Sierra Leone von der Polizei festgenommen und verbrannte einige Minuten nach zwölf Uhr an Händen und Beinen gefesselt auf grausame Art auf einer Matratze im Dessauer Polizeirevier. Seit einem Jahr  wird  in zweiter Instanz gegen den Dienstgruppenleiter des Dessauer Polizeireviers wegen des Vorwurfes der Mitschuld am Tod Oury Jallohs verhandelt. Doch auch nach sieben Jahren glauben wir der offiziellen Darstellung, dass Oury Jalloh das Feuer selbst ausgelöst habe, nicht.

The VOICE Refugee Forum fordert weiterhin die Änderung der Anklageschrift und der Strafanzeige auf Beihilfe zu Körperverletzung und zu Mord seitens aller Beamten, die am 7. Januar 2005 im Polizeirevier Dessau anwesend waren. Wir fordern weiterhin die Durchführung des Strafverfahrens unter Beiordnung von internationalen unabhängigen Prozessbeobachtern. Sieben Jahre nach Oury Jallohs bestialischem Tod in Zelle Nr. 5 in Dessau herrscht noch keine Gerechtigkeit. Wir sagen: „Oury Jalloh – das war Mord!“, und fordern weiterhin: Wahrheit! Gerechtigkeit! Entschädigung!

Wir protestieren gegen die Einschüchterungen der Richter und die Polizeigewalt gegenüber den Aktivisten, die in der Oury-Jalloh-Kampagne und in der Beobachtung des Gerichtsverfahrens in Magdeburg eingebunden sind.

Wir rufen auf zur kritischen Prozessbeobachtung und zur Dokumentation des Verfahrens und seiner Ergebnisse.

Hintergrund:

Im Gerichtsverfahren des Magdeburger Landgerichtes zu dem am 7.1.2005 in einer Dessauer Polizeigewahrsams-zelle verbrannten Asylbewerber Oury Jalloh wird dem damals verantwortlichen Dienstgruppenleiter unterlassene Hilfeleistung mit Todesfolge vorgeworfen. Weiterlesen

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Aufruf der Gruppe “Keine Versöhnung mit Deutschland!” zum 13. Februar in Dresden

Es am 13. Februar richtig krachen lassen…

Auch im Jahre 2012 sehen wir uns wieder mit den “Gedenkfeierlichkeiten” zum Jahrestag der alliierten Bombardierung Dresdens 1945 konfrontiert. Grundlegend wird sich jedoch am Gedenkzirkus von Stadt, Bürger_innen und Nazis auch in diesem Jahr nicht viel ändern. Nach der Verhinderung des Naziaufmarsches von 2011, als Dresden “brannte” (BILD) und sich der eine und die andere Dresdner_in an die Bombennächte von ’45 erinnert fühlen wollte, stellt sich auch uns die Frage: Was soll jetzt noch kommen?

Die Nazis ziehen sich mittlerweile auf den 13. Februar zurück, nachdem mit dem eigentlichen Großaufmarsch in den vergangenen zwei Jahren kein Durchkommen zu erreichen war. Mit der Konzentration auf den Fackelmarsch in den Abendstunden wollen sich die Nazis als Bewahrer eines “würdigen Gedenkens” präsentieren, zum anderen verbinden sie damit die Hoffnung, weitgehend ungestört durch die Straßen des “weltoffenen” Dresden marschieren zu können. Nicht unbegründet – nach wie vor setzt man in Dresden auf das eigene Gedenken, die Abgrenzung gegenüber Nazis bleibt oberflächlich und symbolisch. Nur wenige Meter vom Aufmarsch entfernt werden sich zeitgleich viele hundert Dresdner_innen sammeln, um mit “Mut”, “Respekt” und “Toleranz” Farbe zu bekennen und jener “Opfer” zu gedenken, derer ein paar Straßen weiter per Fackelmarsch gedacht wird. Von Seiten der Stadt wird sich um “Bürger_innenbeteiligung” bemüht. Gemeinsam mit den Menschen dieser Stadt wurde ein treffsicheres Motto für den gemeinsamen “Trauertag” gesucht. Dieses soll alle Dresdner_innen zusammenführen, um an diesem Tag Hand in Hand ein “würdevolles Gedenken” und eine klare Positionierung gegen Extremismus zu vereinen.

Einen Höhepunkt für 2012 soll eine imposante Kerzeninstallation darstellen, die auf dem Neumarkt aufgebaut werden und das Grauen der versauten Faschingsnächte 1945 für alle nochmals verdeutlichen soll. Der zweite Oberbürgermeister von Dresden, Detlef Sittel, brachte es bei seiner Rede zum 13. Februar 2011 auf den Punkt: “Dresden und der 13. Februar 1945 stehen für die Sinnlosigkeit jeglicher kriegerischer Auseinandersetzungen, für durch nichts zu rechtfertigende Unmoral von Gewalt gegen Leben und letztlich doch auch für die Verpflichtung zu friedlichem und menschenwürdigem Zusammenleben.” Diesem Verwischen der Grenzen zwischen nationalsozialistischer Volksgemeinschaft und ihren Opfern kann nicht mit Blockaden oder dumpfem Händchenhalten beigekommen werden. Dagegen hilft nur die Abschaffung des Gedenkens und die Dekonstruktion des fest in den Köpfen der Dresdner_innen verankerten Opfermythos. Weiterlesen

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“Blood & Honour”: NSU-Helfer in Sachsen

Informationen zu den Personen und Strukturen der Razzien am 25. Januar 2012. Ein Hintergrundbericht des Antifaschistischen Rechercheteams Dresden (ART DD), der GAMMA-Redaktion Leipzig und der Antifaschistischen Recherchegruppe Jena (ARG). – Den Artikel als PDF laden.


Gruppenfoto der „Blood & Honour – Sektion Sachsen“ am 23. Mai 1998. Die Aufnahme entstand anlässlich eines Fußballturniers in Chemnitz. Quelle: Fanzine “White Supremacy” (Herausgeber: Jan B. Werner), Ausgabe 1/98, S. 15.

Über zehn Jahre zu spät

Am frühen Morgen des 25. Januar 2012 bot die Polizei auf, was sie konnte: Mit Hubschrauber, Hunden und dem Spezialeinsatzkommando stürmte sie die Wohnung von Thomas Starke in Dresden-Gorbitz. Dem heute 41-Jährigen wird neben den zur selben Zeit durchsuchten Jan Botho Werner, Antje Probst und Andreas Graupner vorgeworfen, den NSU bis 2003 gedeckt zu haben. Zwei von ihnen sollen sogar Waffen und Sprengstoff für die Rechtsterroristen beschafft haben. Insgesamt gelten neben Beate Zschäpe derzeit 11 Personen als Beschuldigte in den Ermittlungen gegen den NSU.

Die Gemeinsamkeiten sowie die Bekanntschaft der am 25. Januar in Sachsen durchsuchten Personen gründen sich auf deren Aktivitäten in der neonazistischen Musik- und Vertriebsszene, insbesondere auf ihre Anbindung und Nähe zur sächsischen Sektion des internationalen Neonazi-Netzwerk “Blood & Honour” (1). Teile des sächsischen “Blood & Honour”-Ablegers haben ihren Ursprung in den 1990er Jahren bei den “Skinheads Chemnitz”, die unter dem Namen “CC88″ (2) weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt wurden. Über das Verbot der deutschen “Blood & Honour” Sektion durch das Bundesinnenministerium im Jahr 2000 hinaus waren die jetzt in den Fokus der Ermittlungen geratenen Personen maßgebliche Figuren in der rechten Musik- und Vertriebsstruktur.


Embleme der “Skinheads Chemnitz”/”CC88″, rechts als Dekoration bei einem Nazikonzert mit „Soldiers of Freedom“ anno 1998.

Als mutmaßliche Mitwisser des Thüringers Ralf Wohlleben, der bereits zuvor der Unterstützung des NSU beschuldigt wurde, sind am 25. Januar 2012 außerdem zwei weitere Thüringer Neonazis, Frank Liebau und Andreas Schulz, durchsucht wurden.

Treffen aktuelle Medienberichte zu, dann vermuteten thüringische und sächsische Behörden schon frühzeitig, womöglich bereits 1998, dass sich die NSU-Mitglieder Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt nach Sachsen abgesetzt haben. Offenbar führten die Ermittlungen spätestens im Jahr 2000 nach Chemnitz und dort ins direkte politische Umfeld des NSU: zu genau jenen Personen im Umkreis von “CC88″ und dessen Verbindungen, bei denen nun die Hausdurchsuchungen stattfanden.

Jan Werner wurde bereits im Jahr 2000 durch einen aufgeflogenen V-Mann des Brandenburger Verfassungsschutzes bezichtigt, Waffen für die flüchtigen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe besorgt zu haben. Weiterlesen

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